Craniosacrale Körperarbeit

Diese Form der Körperarbeit zielt in erster Linie direkt darauf ab, Verspannungen des Bewegungsapparates auszugleichen. Können Verspannungen in Muskeln, Faszien und Gelenken gelöst werden, kann der Körper ganz von selbst in einen Zustand der verbesserten Selbstregulation gelangen und so auch tieferliegende Ungleichgewichte ausgleichen.

Durch sehr sanfte Behandlungstechniken am Schädel, dehnende und massierende Berührungen, beispielsweise an Muskeln von Rücken, Becken, Bauch und Nacken können tiefsitzende, gespeicherte Stressblockaden auf sanfte Art gelöst und Verspannungen abgebaut werden. Das Ergebnis: ein wohltuender Zustand der Tiefenentspannung.

 

Die Wirkungen auf den Organismus

Was im Allgemeinen als Entspannung bezeichnet wird, ist bei genauerem Hinsehen sehr viel mehr. Die Wirkung der craniosacrale Körperarbeit auf den Organismus kann unter anderem wie folgt charakterisiert werden:

  • entkrampfend: Senkung des Muskeltonus und der Gewebespannung
  • Absenkung des Blutdrucks und des Blutzuckerspiegels
  • Beruhigung des Nervensystems, Aktivierung des Parasympathikus
  • Aktivierung der Lymphtätigkeit: Entgiftung, Entschlackung
  • Ausgleich des Hormonsystems, Senkung des Adrenalinspiegels (Stressabbau)
  • Förderung der Verdauungstätigkeit
  • Vertiefung der Atmung und Verbesserung der Durchblutung
  • Verbesserung des Schlafes und der Regeneration
  • Wahrnehmungsschulung (differenziertere Selbstwahrnehmung)
  • Entlastung und Training des Immunsystems

Meine Aufgabe besteht darin, mit achtsamen Händen zu erspüren, wo und zu welchem Zeitpunkt der Körper Behandlungsreize braucht und auch zu erkennen, wann er genug hat. Verspannungsort und Behandlungsort liegen häufig weit auseinander. Da unser Bindegewebe alle Bereiche des Körpers (bis auf die Zellebene) miteinander verbindet, kann jede Stelle auch über Punkte aus der Ferne erreicht werden. Wundern Sie sich daher bitte nicht, dass ich bei Nackenverspannungen beispielsweise Punkte an der Fußsohle drücke.

 

Behandlungsziel: Selbstregulation

Der Körper besitzt die Fähigkeit der Selbstregulation (Homöostase). Er kann und wird jedes Ungleichgewicht sofort ausgleichen, sobald ihm ausreichend Zeit und Energie zur Verfügung stehen.

Stellen Sie sich eine kleine Schnittwunde vor. Was heilt diese Wunde, und vorallem was hilft dabei? Ist es hilfreich an den beiden Schnittflächen zu ziehen, oder sie zusammenzudrücken? Die Körperintelligenz heilt selbst. Am ehesten ist es eine neutrale Kraft, die untersützen kann, aber heilen wird sich der Körper nur selbst. Um beim Bild der Schnittwunde zu bleiben: wir achten am besten darauf, dass die Wunde sauber und geschützt vor weiteren Verletzungen oder Verschmutzungen bleibt und schonen uns. Der Rest passiert einfach.

Auch eine Behandlung kann wie diese neutrale Kraft wirken, indem sie dem Organismus ermöglicht seine Kraftreserven schneller aufzubauen und die notwendigen Heilungsschritte dann selbst zu gehen.

 

Setting

Die Behandlung findet im Liegen auf einer Therapieliege in Alltagskleidung statt. In Ausnahmefällen kann es notwendig sein, Kleidung abzulegen, um bestimmte Muskeln besser zu erreichen, im Allgemeinen ist dies aber nicht erforderlich. Es ist von Vorteil zumindest 2-3 Stunden vorher keine schwere Mahlzeit mehr einzunehmen.
Craniosacrale Körperarbeit wird im Allgemeinen sehr gut vertragen und eignet sich insbesondere auch als begleitende Anwendung zu schulmedizinscher Therapie oder als präventive Maßnahme.

 

Das craniosacrale System

Der Begriff “craniosacrales System” setzt sich aus den anatomischen Begriffen Cranium (Schädel) und Sacrum (Kreuzbein) zusammen und besteht neben diesen beiden Komponenten aus dem Gehirn, der Wirbelsäule, deren Membransystemen sowie dem Flüssigkeitssystem (Liquor) in Gehirn und Wirbelsäule. Man versteht darunter eine pulsierende physiologische Einheit, die sich rund 8 – 12 pro Minute ausdehnt und wieder zusammenzieht.

Die Grundprinzipien, erste wesentliche Entdeckungen und Methoden-Entwicklungen gehen auf den Begründer der Osteopathie, Andrew Tailer Still (1828 – 1917) und die Osteopathen William Sutherland und John E. Upledger zurück.

 

Die Gezeiten im Körper: der Primär-Respiratorische-Mechanismus (PRM)

Neben Atmung und Kreislauf kann ein weiteres rhythmisches Bewegungsmuster im Körper des Menschen beobachtet werden – der soggenannte Primär-Respiratorische-Mechanismus (PRM). Dabei handelt es sich um eine tidenartige Ausdehnung und Schrumpfung des Körpers, vom Prinzip den Gezeiten des Meeres vergleichbar.

Diese Bewegung umfasst alle Bereiche des Menschen und kann mit trainierten Hände erspürt werden. Dementsprechend lässt die Art und Qualität der Bewegung Rückschlüsse auf die Vitalität des Organismus zu.

Ähnlich wie viele andere ganzheitliche Anwendungen (zb. TCM), geht man auch hier davon aus, das Blockaden in einem Teil des Körpers den Energie- und Informationsfluss dieses craniosacralen Systems beeinträchtigen und dies negative Auswirkungen auf Wohlbefinden und Gesundheit hat.

 

Gesundheit, Wohlbefinden und der Faktor Stress

Das craniosacrale System ist also nicht nur Spiegelbild der Gesundheit, sondern steht direkt mit wichtigen Teilsystemen und Strukturen im Körper in Verbindung. So werden zb. das Hormonsystem, Blutdruck-, Blutzucker-, Nerven- und Lymphsystem, Organe, sowie Muskeln, Faszien und Bindegewebe davon direkt und indirekt beeinflußt.

Unser Organismus ist ständig bemüht eine Balance (Homöostase) herzustellen. Und normalerweise ist er in der Lage Belastungen aller Art durch Anpassungsreaktionen wieder auszugleichen. Anders bei Dauerstress, welcher zu Spannungszuständen führen kann, der keine Zeiten für ausreichende Regeneration mehr übrig lässt. Die Folge ist eine Art Verschiebung in unserem autonomen Nervensystem hin zur Aktivphase (sympathikotoner Zustand) – in Folge dessen der Gegenspieler im Nervensystem (Parasympathikus) zu wenig Einfluss hat, um die notwendige Regeneration vorzunehmen.

Die Folgen können vielfältig sein: Ermattung, Müdigkeit und Gereiztheit bis zu Schlafproblemen und Autoimmunerkrankungen. Eine sehr wichtige Basis für ein gesundes Leben ist also ganz simpel ausgedrückt: ausreichend Zeit zur Regeneration.

 

Kurzzeitregeneration durch craniosacrale Körperarbeit

Die sanften Behandlungstechniken der craniosacralen Körperarbeit eignen sich daher bestens dazu, den Organismus dabei zu unterstützen wieder in sein Gleichgewicht zu finden. Nicht Druck und Eingreifen von Aussen sind dabei zielführend, sondern mit äußerster Sanftheit dem Körper genug Stille und Beruhigung zu geben, um selbst für Entspannung sorgen zu können.

Die Folge ist eine erhöhte Pulsation im gesamten Organismus, welche auf die stärkere Tätigkeit des craniosacralen Systems zurückzuführen ist. Die Selbstregulationsmechanismen beginnen nun den Körper neu auszubalancieren.

 

Was craniosacrale Körperarbeit nicht ist

Ein paar Zeilen seien an dieser Stelle der Abgrenzung zu bestimmten esoterischen Methoden gewidmet. Craniosacrale Körperarbeit hat nichts mit Reiki oder ähnlichen Verfahren zu tun (wobei grundsätzlich nichts gegen Reiki einzuwenden ist). Im Gegensatz dazu bedient sich craniosacrale Körperarbeit ausschließlich Techniken, die ganz bestimmte physiologische Wirkung haben und versucht nicht Energie aus dem Kosmos oder vom Behandler selbst auf den Klienten zu übertragen. Hier geht es darum die Eigenbewegung des Gewebes wahrzunehmen, mit den Händen nachzuverfolgen und dem Körper zu erlauben, alte Bewegunsmuster durch neue zu ersetzen.

 

Wichtige Hinweise:
Craniosacrale Körperarbeit ist keine Heilmethode. Sie dient der Entspannung und dem ganzheitlichen Ausgleich und kann so einen wichtigen Beitrag zu ihrer Gesunderhaltung leisten. Wenn Sie bereits an einer oder mehreren Erkrankungen leiden bzw. in ärztlicher Behandlung sind, brechen Sie diese bitte nicht ab und informieren Sie mich über neu hinzukommenden Erkrankungen und Beschwerden.